22. Prozesstag

22. Prozesstag – 22. August 2007

„Lass mal die Tür zu, unten brennt`s.“

15 Minuten Verhandlung // Zeuge vom ‚falschen Flur’

Der 22. Prozesstag beginnt um 9.05 Uhr mit der Zeugenvernehmung des 51jährigen Polizeibebamten Bernd S. durch den Vorsitzender Manfred Steinhoff. Im Revier sei er zum Zeitpunkt 7. Januar 2005 als Verkehrsermittler im Bereich von Strafsachen tätig gewesen. Weiterhin führt der Befragte aus, dass sich sein Dienstzimmer mit der Nummer 103 auf der Ebene der Hauswache links im letzten Drittel des Flurs befinde. Ferner zeige sein Fenster zum Hof.

 

Gegen Mittag des besagten Tages habe Zeuge S. die Einlassbedienstete Anette F. rufen gehört: „Lass mal die Tür zu, unten brennt`s.“ Daraufhin sei er aus seinem Büro hinaus zur Flurtür gegangen, um nach zu schauen, was los ist. Die Tür beschreibt Bernd S. als einflüglige, durchsichtige Feuerschutztür. Als er hindurch geblickt habe, sei „in dem Moment“ nichts zu sehen gewesen. „Nur Qualm. Da konnte man nicht mehr durchgucken“. Die Tür führe zum Eingangsbereich, erklärt er weiter: „Wo der Glaskasten ist, war schon alles zu“.

Auch habe er keine Personen in diesem Bereich gesehen.

Den Qualm benennt der Befragte als das für ihn erste Anzeichen für die ungewöhnlichen Ereignisse, zuvor habe er nichts wahrgenommen. Erst „rund eine Stunde später“ habe er erfahren, dass sich zum Zeitpunkt des Brandes jemand im Gewahrsamstrakt befunden hatte.

Bernd S. gibt an, sich daraufhin zu den Büros seiner Kollegen, Herr S. und Frau K., begeben zu haben, um sie darüber zu unterrichten, dass ein Feuer ausgebrochen ist. Anschließend sei er in sein Büro zurück gekehrt und habe dann von dort aus dem Fenster geschaut.

Auf dem Hof seien „viele Leute“ gewesen, er könne sich explizit jedoch nur an Herrn Hanno S. erinnern, dieser habe „ein bisschen weiter weg von der Tür“ gestanden. Herr S. habe ihm „Ruf mal Schmitti an!“ zugerufen, was er dann auch getan habe. Dieser sei Kriminaltechniker auf dem Revier. Auf Nachfragen bleibt der Zeuge bei seiner Aussage, nur Herrn S. Anwesenheit auf dem Hof bestätigen zu können. Den Revierleiter K. habe er nicht gesehen, auch an Gerhardt Mö oder den Angeklagten Andreas S. könne er sich nicht erinnern. Die Feuerwehr sei „kurz nachdem“ er aus dem Fenster geschaut habe, eingetroffen.

Darüber hinaus erklärt der Zeuge, generell nicht in der Kantine des Reviers zu essen, weshalb er sich auch die ganze Zeit über in seinem Büro befunden habe.

Weder Staatsanwalt Preissner, noch die beiden Vertreter der Nebenklage Klinggräff und Isensee habe heute Fragen, und so führt Rechtsanwältin Regina Götz die Befragung fort.

Sie erkundigt sich, ob seine Bürotür offen oder zu gewesen sei. „Ich nehme fast an, sie war offen“, sonst hätte er Annette F. wohl nicht rufen hören, vermutet der Befragte. Das Fenster sei im Winter überdies „grundsätzlich zu“.

Der Verteidiger des Angeklagten S. hat heute nur eine Frage: Inwieweit der Zeuge das Brandgeschehen zeitlich einordnen könne? Dieser schätzt den Zeitraum auf kurz nach 12 Uhr, „weil so viele vom Essen kamen“.

Die Befragung schließt Richter Steinhoff mit Details zum Dienstplan des Zeugen. Bernd S. gibt an, am 07.Januar 2005 Frühdienst gehabt zu haben, seine Schicht habe um 5.45 Uhr begonnen und sei gegen 14.15 Uhr zu Ende gewesen.

Da keine weiteren Fragen anstehen, wird der Zeuge nach etwa 15 Minuten Befragung unvereidigt entlassen.

Schließlich fordert der Staatsanwalt einen Raumplan des Polizeireviers Dessau-Roßlau, und erhofft sich diesen eventuell durch die Polizei ausgehändigt zu bekommen.

Der Richter beendet den heutigen Prozesstag mit dem Entschluss, ab jetzt wieder mehr Zeugen pro Tag vorzuladen.

 

Prozessbeobachtergruppe: http://www.prozessouryjalloh.de

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