26. Prozesstag

Oktober 1, 2007

26. Prozesstag 01. Oktober 2007 // 8.00 – 10.15 Uhr

 

„Nicht noch ein Nebenkriegsschauplatz, wir haben schon genug aufgedeckt, was nicht in Ordnung ist.“

WDR-Dokumetation „Tod in der Zelle – Warum starb Oury Jalloh?“

 

„Wenn es läuft, dann machen Sie das Licht aus“, läutet der vorsitzende Richter Steinhoff den 26. Prozesstag in der Hauptverhandlung um den Tod Oury Jallohs in einer Dessauer Polizeizelle ein. Alle Prozessbeteiligten und die heute zahlreich vertretenden Gäste schauen sich zunächst die 45-minütige WDR-Dokumetation „Tod in der Zelle – Warum starb Oury Jalloh?“ an. (mehr dazu hier…) (und hier…)

 

Nach Beendigung der Filmvorführung herrscht im Saal 18 zunächst andächtiges Schweigen. Der Kammervorsitzende schlug nun vor, Passagen eines nicht rechtskräftigen Urteils vom 22.09.2004 gegen Oury Jalloh wegen des verbotenen Handelns mit Betäubungsmitteln zu verlesen. Woraufhin die Nebenklagevertreterin Regina Götz ihre Zweifel gegen das Vorhaben einlegt und begründet das unter anderem damit, dass dieses Urteil nicht rechtskräftig sei. Weiter führt sie an: „Ich habe wirklich große Zweifel, ob das Urteil etwas hergibt.“ Die Akte zeige außerdem, „dass es zu Unstimmigkeiten zwischen Oury Jalloh und seinem Verteidiger kam.“ Nebenkläger Ulrich von Klinggräff bekräftigt: „Natürlich haben wir Bedenken, dass das für gewisse Leute als Relativierung genutzt werden kann.“ Er spricht auch von „Stereotypen“, die das Zitieren des Urteils möglicherweise bedienen könnte. „Ich glaube nicht, wir können das Problem nicht anders lösen.“, antwortet Steinhoff darauf.

 

„Es geht nicht darum, dass wir ihn zum großen Drogendealer machen.“, so Richter Steinhoff. Damit meint er, dass es schon relevant sei, die Ursachen seines Alkohol- und Drogenmissbrauchs näher zu beleuchten. „Es ist die Frage, wie man etwas wertet,“ so der Richter weiter.

 

Die Debatte darum welche Passagen aus dem Urteil tatsächlich im Rahmen der Hauptverhandlung vorgetragen werden sollen, geht weiter. So soll es unter anderem um die Feststellung des tatsächlichen Alters Oury Jallohs gehen, wozu Nebenklägerin Götz meint: „Diese Gutachten sind generell haarsträubend.“ „Nicht noch ein Nebenkriegsschauplatz, wir haben schon genug aufgedeckt, was nicht in Ordnung ist.“, so Richter Steinhoff.

 

Der Verteidiger des Hauptangeklagten Andreas S., Atilla Teuchtler, möchte vom Vorsitzenden wissen, ob dem Herrn Jalloh das nicht rechtskräftige Urteil gegen ihn bekannt gewesen sei. Was der Richter bejaht. Danach zieht sich das Gericht, die Verteidigung und die Nebenklage zu einer halbstündigen Beratung zurück.

 

Schließlich verkündet Steinhoff, dass zum nächsten Verhandlungstermin am 09.10.2007 Teile des Urteils gegen Oury Jallohs verlesen werden sollen. Darüber hinaus wird die Ausländerakte hinzugezogen und ein Experte gehört werden, der spezielle Fragen zu Problemen und Situation von Asylbewerbern beantworten könne.

 

Prozessbeobachtergruppe: http://www.prozessouryjalloh.de

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